Wie entstehen interkulturelle Konflikte?

Oder anders gefragt: weshalb blockieren sich Chinesen und Deutsche immer wieder? Ausgelöst werden viele Konflikte durch eine Anhäufung von Missverständnissen und Fehleinschätzungen.

  • Missverständnisse entstehen dadurch, dass wir die Welt und sämtliche Interaktionen durch unsere eigene “Kulturbrille” bewerten. Das bedeutet, dass das natürliche und in Deutschland akzeptierte Verhalten eines Deutschen in chinesischen Augen durchaus anormal erscheinen kann.
  • Fehleinschätzungen passieren, weil wir unser Gegenüber viel zu wenig kennen. Wir fragen uns nicht, woher unser chinesischer Kollege stammt, in welchem Umfeld er lebt, von welchen Gruppen er beeinflusst wird und welche Wünsche und Träume er hat.
  • Wiederholt ein Mensch dreimal die gleichen Verhaltensweisen, ist er bereits als solcher abgestempelt: Müller ist immer arrogant, Wang wartet immer auf Anweisungen. Unsere Wahrnehmung wird nicht mehr hinterfragt, sondern nur noch nach Bestätigungen gesucht. Ist uns ein Mensch per se unsympathisch, laufen immer mehr Beweise gegen ihn auf. Sollte er dann noch Situationen für sich und gegen uns nutzen oder unsere Arbeit blockieren, ist ein Konflikt vorprogrammiert.

    Ist der Konflikt deswegen entstanden, weil Chinesen und Deutsche generell nicht miteinander können? Nein! Wie auch rein unter Deutschen oder Chinesen haben verschiedene Verhaltensweisen, die wir nicht oder falsch analysiert und reflektiert haben dazu geführt, dass wir eine zwischenmenschliche Barriere zwischen uns aufgebaut haben, die Kooperation oder aufeinander zugehen verhindern.

    PS: Ich habe in diesem Artikel bewusst nur von “er” gesprochen, da das “er/sie” den Textfluss stört. Dennoch treffen diese Aussagen genauso auf Frauen zu.

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    1. Brigitte Hild Says:

      Liebe Daniela Fehring,

      das ist ein interessanter Hinweis: Man zeigt ein Verhalten drei mal und landet beim gegenüber in einer Schublade, aus der man nicht mehr heraus kommt… Hier wird einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, sich über eigene Verhaltensweisen (und ihre Wurzeln) im Klaren zu sein und mehr darüber zu wissen, welche grundlegenden Verhaltensweisen die Kultur meines Gegenübers ausmachen. Was kann in diesem Zusammenhang ein interkulturelles Training leisten? Oder andersherum gefragt: Ist das nicht ein Lernprozess, der nicht in ein paar Tagen abgehandelt ist, sondern sich über Wochen und Monate hinzieht?

    2. Edgar Wang Says:

      Hallo Daniela,

      zuerst mal meine Anerkennung dafür, dass Du ein so gewaltiges Thema in einem Blog-Beitrag ansprichst !-) Meine bescheidene Anmerkung dazu ist: Ich glaube nicht, dass Konflikte in interkulturellen Zusammenhängen vor allem aufgrund interkultureller Probleme entstehen. Sie entstehen – wie ganz allgemein – aus Interessensunterschieden. Diese Unterschiede liegen beim Aufeinandertreffen etwa deutscher Expats und chinesischer Mitarbeiter auf der Hand, man muss sie aber konkret diagnostizieren. Mit der Erwähnung dieser Binsenweisheit quäle ich auch die Teilnehmer meiner Seminare. Danach stellen sich mir die Fragen der unterschiedlichen kulturellen Optik und Kommunikation und welche Missverständnisse und Vorurteile da Platz greifen können – die den Konflikt dann verschärfen können.

    3. Martina Müller-Krüger Says:

      Liebe Daniela,

      ich stimme Edgar Wang insofern zu, als dass unterschiedliche Interessen und Ziele oft ein zentraler Grund für interkulturelle Konflikte sind. Mangelnde Selbst- und Fremdwahrnehmung – wie du sie nennst – kann aber meiner Erfahrung nach ebenso interkulturellen Konflikten zugrunde liegen. Ich plädiere also hier wieder einmal für das chinesische ‘Sowohl-als-auch’-Prinzip. – Das interkultuelle Training kann natürlich nur bei letzteren Konfliktursachen abmildernd wirken (und evtl. Konflikteskalationen vermeiden), wie bei jedem Training aber eben nur Anstöße geben, Bewußtsein schaffen, neue Wahnehmungen ermöglichen. Zusätzlich nützlich sind kontinuierliche Reflexionsschleifen beim (interkulturell) Lerndenden in unterschiedlichen Situationen. – Interessengegensätze in Machtgefügen können dadurch nicht überwunden werden. Da können Betroffene auch im deutsch-chinesichen Kontext es mit der guten alten Nutzenargumentation versuchen….wenn sie denn dann erfolgreich ist, nicht immer, aber manchmal schon…

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