Sourcing in China am 22. September 2009

Die IHK Frankfurt veranstaltet am 22. September von 10 – 16:15 einen China-Tag, zu dem China Partner ebenfalls als Referent eingeladen ist.

Mehr über den Inhalt und Möglichkeiten zur Registrierung finden Sie hier:

Trauen Deutsche Chinesen?

Mit dieser Frage wurde ich die letzten 10 Workshop-Tage sowohl in Nanjing wie auch in Suzhou und Shanghai “bombardiert”.

Zuerst überraschte mich diese Frage. Meiner Erfahrung nach vertrauen Deutsche leicht (manchmal vielleicht sogar zu leicht). Wenn man für die selbe Firma arbeitet, erscheint es selbstverständlich, den Aussagen und Informationen von Kollegen zunächst Glauben zu schenken. Sollten wir allerdings feststellen, dass eine Information falsch war, werden wir auf der Hut sein. Treffen wir auf eine 2. Lüge, misstrauen wir dem Überbringer der Botschaft. In diesem Fall ist es nicht einfach, Vertrauen wieder herzustellen.

Mehrere Chinesen erzählten mir auf meiner Chinatour im August diesen Jahres, dass sie, um (in ihren Augen) sture und arrogante Deutsche zu überzeugen, oft sagten: “That’s the Chinese government’s request”, “That’s the law in China”. Wenn das nicht wirklich wahr ist und der deutsche Gesprächspartner das rausfindet, ist der Chinese in Schwierigkeiten!

Es ist eine echte Herausforderung Vertrauen aufzubauen, wenn man aus unterschiedlichen Kulturen und Ausbildungsgängen kommt. Wir vertrauen normalerweise Menschen, welche die Sprache wie wir nutzen, wo wir sofort verstehen, was gemeint ist. Das ist allerdings definitiv nicht oft der Fall, wenn Deutsche und Chinesen zusammenarbeiten. Deshalb muss das gegenseitige Verstehen unterschiedlicher Kommunikationsstile vertieft werden. Darüber hinaus muss jeder sich Gedanken machen, wie, wann und wo er seine eigene Art des Kommunizierens so verändert, dass die andere Seite ihn verstehen kann. Und eine intensvierte, regelmäßige Kommunikation wird helfen, die Arbeitsbeziehung zu vertiefen und das Vertrauen auf- und auszubauen.

Neues aus China!

Die letzten 10 Tage habe ich in Nanjing, Suzhou und Shanghai Workshops gegeben. Dabei habe ich einmal mehr festgestellt: China ist und bleibt spannend. Es verändert sich in einer Rasanz, die mich immer wieder von Neuem erstaunt. Momentan ist die Geschwindigkeit so hoch, dass die alten Chinesen von einer Orientierungslosigkeit und die jungen von einem Werteverfall sprechen. Geld regiert nicht nur die Welt, sondern auch China. Der Wettkampf um den ersten Platz (nicht nur bei der Olympiade) führt

* zu einer Überschulung, die keine Zeit für Spielen, Basteln, sich selbst Suchen und Finden Platz lässt,
* zu einer “Party”-Einstellung, wenn einmal die Uni geschafft ist, und
* zu einer “me first”-Haltung, die eine kollegiale Zusammenarbeit erschwert.

Was mich echt geschockt hat: Die verwöhnten jungen Kaiser (so werden die Einzelkinder, insbesondere die Jungs genannt) scheuen sich nicht, ihre Aggressionen an den Eltern abzulassen und ihnen ein Buch auf den Kopf zu schlagen. Das habe ich leider nicht nur ein einziges Mal im Zug beobachten können …. Andererseits sind die jungen Chinesen sehr klug und clever. Die “Vertreter der 80er” (in den 80er Jahren geboren) haben mir zugeflüstert, dass sie sich oft über ihre Eltern erhaben fühlen, weil sie wesentlich besser informiert sind. Eine Aussage einer solch jungen Dame im 1:1 Gespräch fand ich besonders bemerkenswert: keiner ist besser über die USA informiert als wir, denn es wird uns als “Teufelsbild” vorgehalten. Allerdings sind die meisten von uns der Meinung, dass es das bessere System ist. Wir sagen nur nichts, weil wir uns der Konsequenzen sehr wohl bewusst sind und erwarten, dass einige der Arrivierteren sich dazu äußern. Wir sprechen oft davon, dass China einer weiteren Revolution bedarf…

Das will ich erleben! Deshalb bin ich spätestens im Januar auch wieder da :-) .

Die Sprache der globalen virtuellen Teams

Gerade in globalen Teams, die mit Asiaten besetzt sind, kommt es immer wieder zu sprachlichen Missverständnissen. Das hat viel damit zu tun, dass überall in Asien Englisch gehört und Texte laut gelesen werden, dass es aber kaum Kurse gibt, die Dialogfähigkeiten vermitteln. Hinzu kommt der Gesichtsfaktor: oft hinterfragen Asiaten ihre Englischkompetenz. Dann schweigen sie lieber, als durch falsches Englisch blöd dazustehen. Das führt immer wieder dazu, dass

* wertvolle Meinungen der Asiaten verloren gehen;
* sowohl die schriftlich wie auch die mündlich Kommunikation nicht immer erfolgreich ist.

**Vor kurzem hat mir ein Projektleiter einen guten Tip mit auf den Weg gegeben:**
um an die besten Experten in einem Land zu kommen, sind für ihn nicht Englischkenntnisse aussschlaggebend, sondern die Fachkenntnisse. Er sorgt dafür, dass in seinem Team noch mindestens ein Mitglied ist, das die jeweilige Landessprache spricht. Die Zusatzaufgabe dieser Person ist es, den nicht Englisch Sprechenden mit den entsprechenden Informationen zu versehen. Diese Intensiv-Betreuung führt wiederum einem Zusammenwachsen, einer Verbundenheit mit dem Betreuer (und hoffentlich auch dem Team! Es gilt also Sorge zu tragen, dass nicht nur das Subteam kommuniziert!), die gerade bei Asiaten so unglaublich wichtig ist und zu hohem Vertrauen, hoher Motivation und Loyalität führt.

And the winner is …

Wegen der Sommerpause hat die Auswertung etwas länger gedauert.
Hier sind die Gewinner:

der 1. Preis des 1stündigen Coachings geht an Desiree Xiong von Saint Gobain in Shenzhen,
der 2. Preis an Martin Jaenicke von Bosch in Stuttgart und
der 3. Preis an Namkeen Xiao von Kiekert in Changshu.

Herzlichen Glückwunsch!!!

Ihre Antworten sind:

**Desiree Xiong:**
It’s really difficult to do a management job in China, even for me (a Chinese) or even for many of our Chinese suppliers where the bosses are “crying”. The difficulties of managing the workers, as one of the bosses says, and I agree with him, is that these difficulties comes from the culture and esprit … Also China is changing nowadays, different cultures and information are mixing here: what is right , what is wrong …
All of this requires the boss to be both GOOD & BAD , to lead it well.

1.) I think it comes from the misunderstanding of “ nice and polite” .
A real Good Guy in management should not be a guy who is always nice and polite ,
He should be both GOOD & BAD : nice and polite for image , intelligent and strong
(including sometimes “Thumping on the table” …) in managing , all of this makes his employees work happy and seriously.

2.) Yes , it’s almost the case in China : action is based on hierarchical perception . (here one proverb : the bottom decides the head , it means : your position decides your thinking and action.) This comes from the traditional culture & the thinking way. A good guy needs to know how to make the teamwork well running.

3.) I don’t think the Asian are not used to any other approach, especially now, things are changing always . It depends on what kind of workers you are working with: for the workers who have got good education with open minds, such an action is not helpful, but control and showing his un-satisfaction is necessary, in different ways… For the other workers , such an action is a must.

4.) If the “ bad guy” is well played with good measurement , it will make your job more efficient. If you play too much “bad guy”, it will break the respect of workers about their manager. Things might become more difficult .

**Martin Jaenicke:**
It’s very important not to twist yourself. We expats come from a different culture then the Chinese and react – very naturally – differently from them. There must be some adaptation to local culture as we are guests in this country, but not under all circumstances. We need to observe, understand, accept – if possible, necessary, practible, wise – but that doesn’t mean to become more Chinese then the Chinese. We are the embassadors of our own culture. A mixture of both is quite effective, especially if you try to mix the positive sides of both cultures.

In fact, being a manager in China, we have to fulfill our tasks and missions.

When observing the Chinese way of dealing with each other without running into the risk of letting somebody lose his/her face, and therefore not being able to „hurt each other“, but at the same time having to fulfill their tasks is a challenge! Conflicts are just a natural consequence. I always tried to make them understand my way, and also being consequently „German“ and clear in my requests and orders if necessary. With changing success, by the way.

Some of my staff understood and reacted accordingly. Some didn’t and ran into trouble. It’s very important to have a good assistant. My assistant was a very understanding counterpart (she studied my culture), and frequently gave me substantiate Tipps and advice. Such a partner is necessary!

Regarding the Chinese hierarchy, I seldom observed that Chinese superiors were more rigid to their staff. I found them softer in their approach. Even strong lapses didn’t lead to consequences or just to minor consequences. Most of it was balanced through their long and enduring relationships.

If I answer your questions more directly:

1.) the nice and polite approach only is not really effective. In certain circumstances, you need to be able to take rigorous action.

2.) Hierarchical thinking is also prevalent in Germany. Nothing happens if not every single manager of every single department has agreed to it. Whether in China or in Germany, irksome, difficult questions are always left to the boss. Everybody waits for his/her answer (if there is a decision taken at all). In the last case, you don’t seem to have the right position or the right allies/partners.

3.) To resort to drastic measures just because the Asians/Chinese are used to it, is not the appropriate measure in my opinion. In my experience it was always better to convince them.

4.) The risks of a BAD GUY: it could happen that you get „put aside“ by the Chinese. Information is not given to you or too late or too few. It’s important not to overdo, but seek for their understanding, that means explaining your measures in detail.

**Namkeen Xiao:**
1.) No, being “nice and polite” is always welcome in China and other Asian countries.

2.) Sometimes the hierarchies intervene, but there are many people doing a very good job in China with passion.

3.) “Thumping on the table” is not an approach at all. There are a lot of approaches to solve the problems between German clients and Asians, such as communication, discussion, concession etc.

4.) You may lose an important business or long-term partner.

Diskussion abgeschlossen – Auswertung erfolgt diesen Samstag

Herzlichen Dank für die Teilnahme an der Diskussion!

Am Samstag werden die besten Antworten, die momentan von allen Antwortgebern bewertet werden, veröffentlicht.

Beteiligen Sie sich an der Diskussion und gewinnen Sie!

**„BAD GUY“ OR „GOOD GUY“?**

Wir Interkulturalisten tendieren dazu, unseren Kunden das Idealbild eines Geschäftsführers, Managers, Ingenieurs in China, Japan, Amerika oder Deutschland zu verkaufen. D.h. wir bilden den alle Gesichter wahrenden Manager für China aus, den harmonischen und ausgeglichenen Geschäftsmann für Japan, den motivierenden Verkäufer für Amerika und den sachlichen Fachmann für Deutschland. Oder – um mit nicht ganz ernstzunehmenden Metaphern zu arbeiten: werde wie Hu Jintao, Obama oder Merkel und die Kunden werden Dir zu Füssen liegen.

Neigen wir dazu, den „Gutmenschen“ zu stark herauszustellen? Reaktionen von zahlreichen deutschen Kunden in Asien werfen die Frage auf, ob der „good guy“ wirklich die Lösung für alle Situationen ist. Es kommt immer wieder vor, dass nette Höflichkeit in Asien nicht zu den gewünschten Resultaten führt und ein „Faustschlag auf den Tisch“ effektiver zu sein scheint, weil innert kürzester Zeit eine Umsetzung der Vorgaben erfolgt.

Das wirft für mich folgende Fragen auf, mit denen ich auch gerne provozieren möchte:

Ist etwas falsch am „nett-höflichen Ansatz“ der Deutschen?
Beruht das asiatische Agieren / Nicht-Agieren rein auf hierarchischen Vorstellungen, d.h. in den Situationen hatten die Deutschen evt. nicht die richtige Position, um ihre Interessen durchzusetzen?
Muss man als (deutscher) Kunde auf den Tisch hauen, weil die Asiaten nichts anderes gewöhnt sind?
Was sind die Risiken des „bad guys“?

Was ist Ihre Meinung zu meinen Gedanken?

Bitte mailen Sie Ihre Kommentare bis zum 24.6.09 an daniela.fehring@t-online.de. Nach diesem Datum werden alle Antworten an alle beteiligten Autoren zur Bewertung zurückemailt. Die drei Beiträge, die von allen als Beste nominiert werden, erhalten in der entsprechenden Reihenfolge

1. Preis: ein 1-stündiges Coaching über Skype/Telefon
2. Preis: Sylvia Schroll-Machls Buch „Die Deutschen – Wir Deutsche“
3. Preis: Yang Liu’s visuelle Darstellung „Ost trifft West“

Ich freu mich auf die Debatte!

Wer setzt in Zukunft die Standards?

Am 29.4. hat die **Avenir Suisse** an der Börse Zürich einen China-Abend veranstaltet, an dem 3 Chinakenner zu der Zukunft und Chinas Rolle in ihr Stellung bezogen haben.

**Prof. Harro von Senger referierte über “Demokratie, Menschenrechte und Kommunismus aus chinesischer Sicht”**. Seine Kernaussagen waren, dass es absolut unerlässlich ist, Begriffe die wir benutzen sorgfältig zu definieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den 3 genannten Begriffen die damit verbundenen Bilder stark differieren sei sehr hoch. Um den Kommunismus Chinas und die KPC (nicht Kapitalistische Partei Chinas sondern Kommunistische!) zu verstehen, empfiehlt er die veröffentlichten Dokumente und Texte zu lesen, denn dann würde sich schnell herausstellen, dass der Kommunismus in China wenig mit dem russischen zu tun hat. Bei den Menschenrechten berufen sich die Chinesen auf die UNO-Charta und Demokratie in unserem Sinne wird nicht angestrebt, auch wenn auf dörflicher Ebene Experimente stattfinden.
China sieht sich nicht als Nr. 1 und “neue USA”, sondern als **Vertreter des Südens** sprich Afrikas, Südamerikas, Südostasiens. etc.

**Prof. Josef Wieland setzte sich mit dem Thema auseinander, “wer zukünftig die Standards setzt”** und betonte, dass nur die Länder, welche die Standards setzen, in Zukunft noch etwas zu sagen haben. Bei der ISO 26000, die 2010 bewilligt werden soll, haben sich 84 Länder auf die Normen der “social responsibility” geeinigt. Die BRIC-Staaten waren und sind sehr engagiert dabei.

**Urs Schöttli sprach als NZZ-Journalist über “China – zurück in die Zukunft”**. Da die Wirtschaft Chinas in erster Linie staatlich geprägt und gelenkt ist, sieht er mehrere Gefahren. 1. ist er überzeugt, dass in den Kellern der Staatsbanken “Giftpapiere” in ungeahnter Höhe lagern, 2. sieht er eine riesige Immobilien-Blase, die sich gerade in den kleineren (Groß)Städten Chinas zeigen.

Auf die Publikumsfrage, wer sich wem mehr anpasse sagte Prof. von Senger, dass China den deutschen Marxismus adaptiert hätte und sich insofern die Frage erübrige. Wir wüssten wesentlich weniger über China und hätten bis jetzt auch noch nichts angenommen.

28. China Jour Fix der IHK Frankfurt

Am 27.4.09 zeichnete Dr. H. Schniewind von der Helaba Shanghai in der IHK Frankfurt ein ganz persönliches Bild nach 8 Jahren Aufenthalt. Besonders spannend war, dass er 3 Stärken der Chinesen sieht, die ihnen bei der Überwindung der globalen Krise helfen werden:
1. ihren Fleiß: Chinesen sind auch bereit, Nachtarbeit oder Wochenendarbeit einzulegen.
2. ihre freiwillige und erzwungene Sparsamkeit: die Sparquote der Chinesen zählt zu den höchsten weltweit. Andererseits sind sie aufgrund steigender Kosten gezwungen, so viel wie möglich “auf die hohe Kante” zu legen.
3. die gezielte Wirtschaftspolitik der KP, die zu einem hohen Vertrauen seitens der Bevölkerung in ihre Regierung geführt hat.

Der höhere Wohlstand in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass sich sowohl Umwelt wie auch Gesundheit, Wohnraum, Ausbildung und Konsum stark verbessert haben. Das führt zu **neuen Absatzmärkten** für die deutsche Industrie, insbesondere im Bereich der Konsumgüter und Dienstleistungen.

Weblog auf Englisch

Nun ist er endlich da! Der englische Weblog.

Finally it’s done: the weblog is available in English, too!