China & die Krise
Seit mehr als zwei Jahrzehnten bestaunt der Westen die Aufholjagd des Reichs der Mitte und das rasante Wachstum seiner Volkswirtschaft. Inzwischen ist China die viertgrößte Wirtschaftsnation weltweit. Und auch deshalb stark betroffen von der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Jetzt macht sich bemerkbar, was die Regierung schon seit längerem befürchtete: dass die Werkbank der Welt – wirtschaftlich gesehen – eine labile Position ist.
Allerdings zeichnen sich Chinesen durch eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aus – wie sie auch immer wieder unter schwierigsten Bedingungen im Ausland unter Beweis stellen. Hinzu kommt ihr Optimismus und die nachhallende Dynamik, die ihnen sicher helfen werden, besser mit der Krise zurechtzukommen, evt. auch schneller aus ihr herauszukommen. Noch immer sehen sie das “Glas halbvoll”! Es lohnt sich, den Artikel Optimism is the cure for the downturn des Unternehmers Sir David Tang dazu zu lesen.
Ob die erfolgsverwöhnten Jobhopper (80er-Jahre-Generation) und die verwöhnten “kleinen Kaiser” (90er-Jahre-Generation) auch so gelassen auf die Krise reagieren? Sie haben nur einen Trend gekannt: den nach oben. China gilt heute als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Das Tempo der innergesellschaftlichen Veränderung hat den “Traum vom Millionär” realistisch erscheinen lassen. Dabei hat sich eine eigene, neue Identität unter den jungen Chinesen entwickelt: starkes wirtschaftliches Selbstbewusstsein und wachsender Nationalstolz kombiniert mit zunehmender Meinungsfreiheit, die im Internet zum Tragen kommt. Gerade diese Generation will ihr Leben aktiv gestalten und alle wirtschaftlichen Chancen nutzen. Die Frage ist, ob die Krise diese Träume zerstört oder ob auch die Jungen die Fähigkeiten der Älteren erhalten haben: nämlich “Bitterkeit essen zu können”, d.h. auch mal den Gürtel enger zu schnallen und auf die Zähne zu beißen.