Wer setzt in Zukunft die Standards?

Am 29.4. hat die Avenir Suisse an der Börse Zürich einen China-Abend veranstaltet, an dem 3 Chinakenner zu der Zukunft und Chinas Rolle in ihr Stellung bezogen haben.

Prof. Harro von Senger referierte über “Demokratie, Menschenrechte und Kommunismus aus chinesischer Sicht”. Seine Kernaussagen waren, dass es absolut unerlässlich ist, Begriffe die wir benutzen sorgfältig zu definieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den 3 genannten Begriffen die damit verbundenen Bilder stark differieren sei sehr hoch. Um den Kommunismus Chinas und die KPC (nicht Kapitalistische Partei Chinas sondern Kommunistische!) zu verstehen, empfiehlt er die veröffentlichten Dokumente und Texte zu lesen, denn dann würde sich schnell herausstellen, dass der Kommunismus in China wenig mit dem russischen zu tun hat. Bei den Menschenrechten berufen sich die Chinesen auf die UNO-Charta und Demokratie in unserem Sinne wird nicht angestrebt, auch wenn auf dörflicher Ebene Experimente stattfinden. China sieht sich nicht als Nr. 1 und “neue USA”, sondern als Vertreter des Südens sprich Afrikas, Südamerikas, Südostasiens. etc.

Prof. Josef Wieland setzte sich mit dem Thema auseinander, “wer zukünftig die Standards setzt” und betonte, dass nur die Länder, welche die Standards setzen, in Zukunft noch etwas zu sagen haben. Bei der ISO 26000, die 2010 bewilligt werden soll, haben sich 84 Länder auf die Normen der “social responsibility” geeinigt. Die BRIC-Staaten waren und sind sehr engagiert dabei.

Urs Schöttli sprach als NZZ-Journalist über “China – zurück in die Zukunft”. Da die Wirtschaft Chinas in erster Linie staatlich geprägt und gelenkt ist, sieht er mehrere Gefahren. 1. ist er überzeugt, dass in den Kellern der Staatsbanken “Giftpapiere” in ungeahnter Höhe lagern, 2. sieht er eine riesige Immobilien-Blase, die sich gerade in den kleineren (Groß)Städten Chinas zeigen.

Auf die Publikumsfrage, wer sich wem mehr anpasse sagte Prof. von Senger, dass China den deutschen Marxismus adaptiert hätte und sich insofern die Frage erübrige. Wir wüssten wesentlich weniger über China und hätten bis jetzt auch noch nichts angenommen.

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